Basel-StadtBasel-Stadt ErziehungsdepartementMuseumsdienste Basel


museen basel online
museen basel online

www.museenbasel.ch





Museum Tinguely


Jon Kessler: Global Village Idiot (2009), © 2010 Jon Kessler
Jon Kessler: Global Village Idiot (2009), © 2010 Jon Kessler

Roboterträume

09.06. - 12.09.2010

Als mechanischer Freund und Helfer wurde er erdacht, als Maschine mit künstlicher Intelligenz fordert er die Wissenschaft heraus, als unberechenbare Kreation beflügelt der Roboter Musik, Film, Literatur und die Kunst: Zusammen mit dem Kunsthaus Graz hat das Museum Tinguely neun Künstlerinnen und Künstler mit der Entwicklung eigener Roboterträume beauftragt.

Der Ausstellungstitel Roboterträume ist vom russisch-amerikanischen Biochemiker und Science-Fiction-Schriftsteller Isaac Asimov (1920-1992) entliehen. In der gleichnamigen Kurzgeschichte aus dem Jahr 1986 wird der folgenschwere Traum eines Roboters beschrieben, der das Volk der künstlichen Wesen aus der Knechtschaft zu befreien versucht und deshalb eliminiert werden muss.

Mit seinen Robotergeschichten hat Asimov einen prägenden Einfluss auf die Science-Fiction-Literatur und Filmgeschichte ausgeübt. Mit dem Thema künstliche Intelligenz sowie mit den Fragen, wie und wie weit Roboter künstliche Intelligenz einsetzen können und sollen und was damit ausgelöst werden soll und kann, wollen sich nun auch das Museum Tinguely und das Kunsthaus Graz auseinandersetzen. Nach der erfolgreichen Ausstellung "Bewegliche Teile" vor sechs Jahren ist dies die zweite Zusammenarbeit der beiden Häuser.

Auftragsarbeiten
Konkret wurden neun Künstlerinnen und Künstler mit entsprechenden Recherchen bzw. Auftragsarbeiten zum Thema Robotik und künstliche Intelligenz betraut. Zusätzlich zur eigenen Arbeit sollten sie auch noch ein bestehendes Referenzwerk benennen. "Wir wollten den historischen Diskurs mit dem Thema ausblenden", sagt der Basler Co-Kurator der Ausstellung, Andres Pardey: "Uns interessiert, was passiert, wenn sich ein Künstler oder eine Künstlerin frisch mit der Materie befasst."
Die Resultate sind so unterschiedlich wie die Arbeitsweise der Künstlerinnen und Künstler, die sie erschaffen: Das Basler Künstlerduo Sibylle Hauert und Daniel Reichmuth zum Beispiel befasst sich stetig mit interaktiven Maschinen und mit künstlicher Intelligenz. In der Ausstellung wird auf Basis von Spracherkennung ein Dialog zwischen Mensch und Maschine ermöglicht. Der österreichische Künstler Thomas Baumann dagegen, der für "Bewegliche Teile" die grosse Blechwelle geschaffen hat, entwickelt in bewusster Abgrenzung zum Gegenstand der Ausstellung einen Antiroboter.

Mehrere Künstler befassen sich mit dem Thema Robotik und künstliche Intelligenz im Film: Der Salzburger Filmemacher und Multimediakünstler Virgil Widrich und der deutsche Künstler John Bock setzen sich in mit filmischen Mitteln und Filminstallationen mit Robotern und künstlich erschaffenen Menschen in der Filmgeschichte auseinander, während ihr New Yorker Kollege Jon Kessler das Publikum mit seiner Installation über Videoüberwachung wiederum mit einbezieht.

Ganz anders nähern sich der Genfer Künstler Luc Mattenberger und der Franzose François Roche dem Thema: Mattenberger konstruiert eine mächtige Jetski-Bombe und nimmt damit auf den Umstand Bezug, dass ein Selbstmordattentäter selber zu einer Art Roboter wird. Roche arbeitet an einem Roboter, der Häuser entwirft und baut. Die Arbeit des Österreichers Niki Passath wiederum fusst auf dem Prinzip der Schwarmroboter - Kleinroboter, die miteinander agieren und in der Gruppe eine Aufgabe erledigen -, die in der Ausstellung mit den Besucherinnen und Besuchern interagieren. Die Australierin Kirsty Boyle schliesslich versucht den traditionellen mechanischen Karakuri-Figuren aus Japan Bewegungsintelligenz einzuhauchen.
Ergänzt durch die Referenzwerke - das bekannteste dürfte der "Andy Warhol-Robot" (1994) von Nam June Paik sein - eröffnen die künstlerischen Roboterträume facettenreiche Einblicke in die grosse Frage nach der Ersetzbarkeit des Menschen durch Maschinen.