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Editorial 3/2010


Liebe Leserinnen und Leser, liebe Freundinnen und Freunde der Basler Museen

Museen sind auf Dauer angelegt. In unserer schnelllebigen Zeit werden sie deshalb nicht selten als veraltet, verstaubt oder nicht mehr zeitgemäss empfunden. Ebenso ergeht es den permanenten oder - nomen est omen - Dauerausstellungen und Sammlungspräsentationen. Die aktuelle Ausgabe des Magazins setzt sich denn auch, durchaus selbstkritisch, mit diesen Formaten auseinander.

Während Objekte und Artefakte heute problemlos abgelichtet und in reproduzierter Form jederzeit und überall betrachtet werden können, mussten sich Interessierte früher zu einem bestimmten Objekt oder in eine bestimmte Sammlung begeben. Nur so konnten sie dieses oder diese in ihrer Ganzheit, Authentizität und Vielfalt wahrnehmen und begreifen; meist reichte ein einziger Besuch nicht, wie liebgewonnene Freundinnen und Freunde besuchte man sie öfters.

Doch gerade in kurzlebigen, bildlastigen Zeiten sind langjährige, verlässliche Freunde unverzichtbar. Der Austausch mit ihnen wird zur Bereicherung; es können Sehgewohnheiten überprüft und Erkenntnisse gewonnen werden. So kann etwa Holbeins "Toter Christus" von 1521 einem jungen Menschen eine erste Vorstellung vom Tod vermitteln, während er in späteren Jahren zum Anlass wird, über die eigene Vergänglichkeit nachzudenken oder sich philosophisch mit der Begrenztheit allen Irdischens auseinanderzusetzen. Oder auch eine neue Umgebung kann den "Toten Christus" in anderem Licht erscheinen lassen und dadurch zu einer veränderten Wahrnehmung und neuen Erkenntnissen seitens des Besuchenden führen.

Auch die Museumsstadt Basel - ihre Anfänge reichen ins Jahr 1661 zurück, als der Basler Rat am 20. November den Ankauf des privaten Amerbach-Kabinetts beschloss und damit den Grundstein für die öffentliche Kunstsammlung und die kantonalen Museen legte - bewegt und verändert sich seit nunmehr 350 Jahren ständig. Diesen Herbst macht sie mit den Neueröffnungen des Museum der Kulturen Basel (7. September) und der Basler Papiermühle (11. November) sowie der neuen Dauerausstellung des Historischen Museum Basel in der Barfüsserkirche (15. November) auf sich aufmerksam. Alle drei Institutionen stehen in einem direkten Bezug zum epochalen Ankauf von 1661 (siehe S. 14), der für die Basler Kultur bis heute als grundlegend, ja identitätsstiftend bezeichnet werden darf. So veranschaulichen die Basler Museen mit ihren einzigartigen Sammlungen denn auch eindrücklich, dass Wahrnehmung ohne Zeit und Ruhe, Erkenntnis ohne Grundlage und speziell Kontinuität ohne Veränderung nicht möglich sind.

Viel Spass bei der Lektüre sowie bei Ihren Entdeckungsreisen durch die Museen!

Eva Keller
Leiterin museumsdienste basel